Der Architekt als Erfinder

Über Dirk Lüderwaldt

In den gut 20 Bauten, die Dirk Lüderwaldt seit 1994 alleine oder im Team mit anderen Architekten verwirklichen konnte, erkennt man räumliche Prinzipien wieder und Vorlieben für bestimmte Materialien und Material-Kombinationen. Aber die eindeutige, zweifelsfrei erkennbare Handschrift findet man bei ihm nicht; jedes Haus ist in formaler Hinsicht ein Solitär.

Charakteristisch für die Bauten seines Büros (und die insgesamt 151 Projekte) ist eine intensive Durchbildung ihres Inneren, mit einem Hang zu offen fließenden Räumen, in Museen ebenso wie in seinen Wohnhäusern. Diese Offenheit ist nicht einfach nur Weitläufigkeit, denn Dirk Lüderwaldt gliedert sie effektvoll durch den Wechsel zwischen Enge und Weite und die Verschränkung horizontaler und vertikaler Raumfolgen.

Das beachtliche Niveau, auf dem sich der Architekt dabei bewegt, unterstreicht nicht zuletzt die Teilnahme an der Architekturbiennale in Venedig oder die Zusammenarbeit mit dem britischen Konzeptkünstler Joe Scanlan bei dessen Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Konzeptstärke verbindet sich bei ihm mit Bodenständigkeit und Sinn für handwerkliche Finessen.

Vielleicht charakterisiert man Dirk Lüderwaldts Entwurfshaltung am besten, wenn man seine Persönlichkeit kennt. Aufgeschlossenheit, Neugier und so etwas wie Erfindergeist kennzeichnen sie. Mit Erfindergeist ist die Freude an der Erprobung neuer Materialien und Methoden gemeint: Die Kombination modularer Bauteile, Vorfertigung, das teilserielle Bauen. Oder flexible Treppen, die zugleich Möbel, Leuchtkörper und Raumteiler sind, wie beim Projekt neo_leo in Köln Ehrenfeld, wo ein neues Treppenhaus in der Werkstatt vorgefertigt und dann mit einem Autokran in ein bestehendes Haus eingehoben wurde. Die zur Konstruktion des Treppenturms verwendeten Kerto-Platten tauchten bei späteren Projekten wieder auf, jedoch in einer neuen K onstellation von Raum, Material und Zweck.

Was die Aufgeschlossenheit angeht und die uneitle Art im Umgang mit Menschen, so erklärten sie, dass Dirk Lüderwaldt gerne und ohne Scheu mit anderen Architekturbüros kooperiert - zum Nutzen beider Seiten, wie zahlreiche Wettbewerbserfolgen zeigen. Und er gehört nicht zu der Sorte Architekt, die den Bauherren als notwendiges Übel auf dem Weg zur Umsetzung gestalterischen Ambitionen sieht. Seine Bauherren dürfen mit einem Planer rechnen, der mit Allüren geizt und sich allem voran als Sachwalter des Auftragebers versteht.

Frank Peter Jäger, Berlin

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