Realisierungswettbewerb 2000, 2. Preis
Stadt Wesel
Jörg Hempel
“Auszug aus dem Erläuterungstext zum Wettbewerb:
Stadträumliche Zusammenhänge
Die Lage des Gebäudes konstituiert sich aus den charakteristischen Einflüsse aus der Umgebung:
der parkähnliche Landschaft dem stadthistorisch bedingten Höhenversprung auf dem Grundstück den das Grundstück tangierenden Verkehrswegen den zwingend zu erhaltenden Gebäudeteilen der Erich-Kästner-Schule
Die neuen Gebäudeteile bilden unter Einbeziehung des bestehenden Geländeversprungs und der bestehenden Sporthalle eine weitläufige und differenzierte, vom Verkehrslärm abgeschirmte Hofanlage, die mit den angrenzenden Schulgebäuden durch ein engmaschiges Netz von Sicht- und Wegebeziehungen verknüpft ist.
Erschließung der Gesamtanlage
Die Schulen werden über das die beiden Schulen verbindende wettergeschützte ““Forum”“ am Vorplatz an der Rheinbabenstraße erschlossen. Die Erich-Kästner-Schule schließt nach Norden mit ihrer zweigeschossigen Halle direkt an das Forum an. Die Halle wird zum Zentrum der Schule, von der aus die neuen Klassen- und Lehrerräume sowie der Altbau erreichbar sind.
Nach Süden erweitert sich das Forum durch den bestehenden Winkelbau hindurch bis zur zentralen Erschließungsspange der neuen Sonderschule ““Zur Bergerfurth”“.
Die dem Forum gegenüberliegenden Sporthallen sind von den Schülern, - insbesondere den ““bergerfurthschen”“- , wettergeschützt zu erreichen, externe Nutzer können sie direkt über die Zufahrt, - gleichzeitig Feuerwehrzufahrt -, an der nördllichen Grundstücksgrenze erreichen.
Außenanlagen
Die Gestaltung der Außenanlagen soll so weit wie möglich den naturräumlichen Gegebenheiten und ökologischen Notwendigkeiten gerecht werden, d.h. geringstmögliche Versiegelung, Beibehaltung, ggf. Weiterführung der vorgefundenen Geländemodellierung, Minimierung der Eingriffe in den Boden, Erhalt der bestehenden großkronigen Bäume.
Die entsprechend der Nutzung notwendigen Maßnahmen zur rollstuhlgerechten Nutzung des modellierten Geländes orientieren sich an dem vorhandenen Höhenlinienverlauf, der so geformt wird, daß die Landschaft auch bei Nutzung der Rampen erlebbar bleibt, diese nicht Notbehelf sind, sondern Erlebnisraum auch für nichtbehinderte Schüler.
Erich-Kästner-Schule
Die Erweiterung wird dazu genutzt, der Schule ein kommunikations- und gemeinschaftsförderndes Zentrum zu geben. Die dazu entwickelte Halle wird über die bestehenden Erschließungsachsen mit dem Altbau und der Hofanlage verknüpft, so daß ein spannungsvolles und abwechslungsreiches Wegenetz und Raumgefüge im Gebäude und im Zusammenspiel mit den Außenräumen entsteht.
Die neuen Klassen- und Gruppenräume werden soweit wie möglich so gruppiert, daß sich kleinere, überschaubare und Identität schaffende Vorbereiche mit Sitzmöglichkeiten, Ausstellungsflächen und dgl. entwickeln können. Oberlichtzonen und Glasbausteinelemente erlauben eine optimale Ausleuchtung auch der tieferen Klassenräume.
Die Lehrer- und Verwaltungsräume sind leicht auffindbar angeordnet und ermöglichen eine gute Übersicht über Innen- und Außenräume.
Die dienenden Räume werden zentral auf jeder Etage in einem geschlossenen, holzverschalten Block auf der Südseite untergebracht.
Helle, freundliche Materialien, insbesondere hell und farbig lasiertes Holz, gemauerte Ziegelwände und Holzpflaster- und Steinböden ergänzen den bestehenden, stark vom Ziegel geprägten Materialkanon, unterstützen die Lichtführung und sorgen für eine anregende Atmosphäre.
Sonderschule ““Zur Bergerfurth”“
Entsprechend den differenzierten Anforderungen an die Raumqualitäten gliedert sich die Schule entlang der in Ost- Westrichtung verlaufenden Erschließungsspange in mehrere Bereiche unterschiedlicher Ausformung und unterschiedlicher ““Öffentlichkeit”“ bzw. ““Privatheit”“.
Die ans Forum anschließende Eingangshalle bezieht die Konstruktion der bestehenden Schule ein, in den vormaligen Klassenräumen werden auf zwei Etagen die Räumlichkeiten für Lehrer und Verwaltung untergebracht. Die Halle mündet zwischen dem ““Block”“ der Hausmeisterwohnung und dem Verwaltungstrakt in ein sich rechtwinklig zu ihr entwickelndes Raumgefüge, das im weiteren Verlauf den bestehenden Höhenversprung im Gelände für eine erweiterte räumliche Vielfalt ausnutzt, ohne dabei die besonderen Anforderungen an eine rollstuhlgerechte Erschließung zu vernachlässigen.
Die Erschließungsspange beherbergt die notwendigen Aufzugsanlagen, die Kurzverbindungen für das Personal, die Installation und eine Reihe dienender Räume. Sie trennt das Gebäude in zwei Hälften:
Auf der Südseite, - und damit zur lauteren Seite -, liegen sämtliche Räume für handwerkliche, hauswirtschaftliche und sonstige Sondernutzungen, die keinen besonderen Ruhebedarf haben. Die Räume sind flexibel unterteilbar und an veränderte Platzbedürfnisse, abhängig von den pädagogischen Notwendigkeiten, anpaßbar. Die Gebäudehülle besteht hier aus einer jeweils geschosshohen Pfosten- Riegelkonstruktion mit unterschiedlichen Füllelementen aus unterschiedlich transparentem Glas, feststehenden und beweglichen Flügeln.
Eine vorgehängte, begehbare Stahlkonstruktion mit Holzlamellen und -bohlen schirmt das Gebäude gegen die Südsonne ab, ohne daß die Aussicht und damit der Kontakt nach außen eingeschränkt wird.
Nach Norden schließen zwei Klassenflügel an die Spange an. Sie beherbergen, in geschützter Lage, die Klassenräume mit den jeweils direkt angegliederten Gruppenräumen, im obersten Geschoss liegt der besonders lärmempfindliche Ruheraum mit einer zum Hof vorgelagerten Ruheterrasse.
Die beiden ““Klassenhäuser”“ erinnern in ihrer Ausgestaltung mit Balkonen, Terrassen, Eingangsbereichen an ““Wohnungen”“ und entsprechen damit dem pädagogischen Konzept, hier eine ““Heimat”“ in einem überschaubaren Bereich zu schaffen. Diesem Konzept folgend, sind die notwendigen Sanitäranlagen einschließlich Wickelraum dezentral den Klassen zugeteilt.
Die beiden Klassenhäuser umfassen einen ruhigen Schulhofbereich, der Arbeit und Unterricht im Freien ermöglicht.
Im Gegensatz dazu wird der östliche Binnenhof mehr für gemeinsame Aktivitäten genutzt, er stellt ““unter dem Haus hindurch”“ eine ebenerdige Verbindung zwischen der geschützten Hofanlage und dem der Sonderschule vorgelagerten Parkbereich zur Straße her. Diesem Übergangsbereich zugeordnet sind die beiden Sonderräume zum Musizieren (innerhalb von eingestellten schützenden Mauern) und der große Spielraum, der durch seine spezielle Form, seine Orientierung zum Außenraum und durch den vorgelagerten vertieften, bewachsenen Innenhof die Erlebnisvielfalt steigert.
Die Hauswirtschaftsräume im darüberliegenden Geschoss münden in Terrassen, die den Arbeits- und Aufenthaltsbereich erweitern und ergänzen (““Kräutergarten”“).
Sporthalle
Die Sporthalle ist als Teil der Parklandschaft konzipiert, die sich zum durch die Mauerreste der ehemaligen Zitadelle gebildeten Geländeversprung orientiert und sich zum Schulhof öffnet. Die eingeschobenen Baukörper bergen die dienenden Funktionen, sind vom Schulhof aus begehbar (Galerie). Die weit in den Hof hineinreichenden Dächer bieten geschützte Aufenthaltsbereiche im Nahbereich zur Sporthalle, die Sanitäranlagen können vom Schulhof aus mitgenutzt werden.“




