Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung; Ausschreibungen und Bauleitung
Mitarbeit:Luisa Mowitz
Fertigstellung:2024
Auftraggeber:Gemeinde Nettersheim
Fotos:Lukas Roth
Wasser ist prägend für den kleinen Ort Holzmüheim in der Eifelgemeinde Nettersheim, früher wohl mehr noch als heute. Der Ort liegt eingebettet in die historische Mühlenlandschaft entlang der Erft, die am westlichen Ortseingang entspringt und unter der östlich gelegenen Schocher Mühle hindurch in die freie Landschaft fließt. Reste von Mühlenanlagen und Spuren von ehemaligen Wassergräben, -becken und -rohren liegen, - meist gut versteckt -, zwischen den eng stehenden Häusern im Ortskern, der Wasserlauf ist im Normalfall im Ort wenig präsent.
Dies ändert sich schnell, wenn es für längere Zeit und kräftig regnet. Hochwasser ist ein nahezu jährlich auftretendes Ereignis und wird von den Bewohnern mehr oder weniger routiniert bewältigt.
Nicht jedoch so am 14. Juli 2021: Der sonst eher im Verborgenen dahinplätschernde Wasserlauf verwandelte sich innerhalb von wenigen Stunden zum reißenden Fluß. Die angrenzenden Häuser und Wirtschaftsgebäude standen plötzlich bis unter die Decken über dem Erdgeschoss im Wasser, dicke Baumstämme und Geröll wurden vom Wasser durch den Ort geschwemmt. Der kleine Park im Bereich der Erftquelle wurde zur Seenlandschaft, die der Quellstube vorgelagerte Brücke über die Erft einschließlich Ihrer Fundamente fortgerissen.
Das Flussbett lag nach dem Flutereignis ca. 1,5 m tiefer als vorher, die Uferböschungen waren verwüstet und fielen jäh zum Flussbett ab, ein wildes Durcheinander von Resten weggespülter Leitungen prägte das Bild. Die Gründungen der Quellstube wiesen Risse auf, durch die das Quellwasser auf immer wieder neuen Wegen ins Freie trat. Das Quellareal mußte abgesperrt werden, es war gefährlich, sich dem Wasser zu nähern. Die vorher vielbesuchte Quelle lag lange brach, eine Querung war nicht möglich, das beliebte Ausflugsziel nicht mehr erreichbar. Nur ein paar Wagemutige ließen sich nicht davon abbringen, weiter Quellwasser zu zapfen.
Im Dorf bildete sich bald eine Arbeitsgruppe, die parallel und gemeinsam zu und mit den befaßten Stellen der Gemeinde die notwendigen Schritte zur Reanimation des Geländes in die Hand nahm. Wünsche und Anregungen der Anwohner für Veränderungen und Verbesserungen wurden aufgenommen und in vielen Planungsschritten und -diskussionen dafür gesorgt, daß die Maßnahmen zur Wiederherstellung des Quellbereiches eingebunden wurden in ein längerfristiges Entwicklungskonzept für den westlichen Ortseingang von Holzmülheim:
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Die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit des Wasserlaufs sollten verbessert,
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der Bachlauf soweit wie möglich renaturiert,
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die Aufenthaltsqualität der Grünanlage gesteigert,
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klare und sichere Wegeverbindungen geschaffen,
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die Grillhütte besser eingebunden und nutzbar
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und die fußläufige Anbindung der Grünanlage an den Ortskern gestärkt werden.
Die Maßnahmen zur Sanierung des Quellbereiches sollten den Startschuss für die geplanten Veränderungen markieren. Nach vorheriger positiver Bewertung des Vorhabens bei einer örtli- chen Bürgeranhörung zu Beginn des Jahres 2023 wurde die Realisierung dieses Bauabschnitts vom Gemeinderat am 28.3.2023 im Rahmen der Wiederaufbauhilfe des Landes NRW zur Besei- tigung der Flutschäden beschlossen.
Daraufhin erfolgte auf Grundlage der übergeordneten Pläne eine umfangreiche professionelle Ausführungsplanung und die entsprechenden Ausschreibungen für den ersten Bauabschnitt. Die Arbeiten konnten im Herbst 2023 beginnen und wurden ein knappes Jahr später abge- schlossen.
Oberstes Ziel war dabei zunächst, das auch nach der Flutkatastrophe üppig weitersprudelnde Wasser der Quelle und das bei Niederschlägen jeweils schnell stark anschwellende Wasser des Kuhbaches so zu bändigen, daß wieder sichere Ufer entstanden und eine bequeme Querung möglich wurde.
Durch neue, sorgfältig auf die bestehenden Bäume und die durch den Wasserverlauf entstehenden Kräfte abgestimmte geschwungene Uferlinien entstanden unterschiedlich ausgeformte und vielfältig nutzbare Uferzonen.
Das nördliche Ufer ist geprägt von den getreppt und terrassiert verlegten Natursteinblöcken, das südliche Ufer durch die aus dem Wasser heraus flach ansteigende Wiese, dem “Strand von Holzmülheim”.
Zwischen Einmündung des Kuhbaches und dem neu als kleiner Wasserfall ausgebildeten Quellstein einerseits und dem neuen, dem Geländerverlauf anpaßten breiten steinernen Steg, durch den der Wasserfluß leicht gebremst wird, andererseits, entsteht ein zentrales, flaches Quellbecken.
Dessen leicht bewegte, die Sonnenstrahlen reflektierende Wasseroberfläche, das stetige Rauschen des nachströmenden Quellwasssers, das Plätschern des Wassers, das sich unter dem Steg in das weiterführende Bachbett drängt und das leichte Rauschen der bestehenden Bäume prägen die Stimmung der kleinen Anlage.
Natursteinmauern fassen den alten Mühlengraben und bieten neue Sitzgelegenheiten. Der steinerne, dem Gelände folgende Steg knapp über der Wasseroberfläche lädt zum Beinebaumeln ein.
Die Wiese eignet sich als Lager- und Liegefläche direkt am Wasser, in die Wiese eingelassene massive Steinbänke bieten weitere Sitz- Spiel- und Picknickgelegenheiten. Am Übergang zum Kuhbach sorgt eine Schwengelpumpe für spielerische Wasserkontakte.
Der aus großformatigen Natursteinplatten gefügte Steg ist Teil der neu wiederhergestellten Wegeverbindung hinauf zur Strasse mit Parkplatz und Anschluss an die Wanderwege nach Frohngau, Holzmülheim und hinauf in das Naturschutzgebiet “Die Hardt”.
Im Zusammenspiel mit Resten der vormaligen Natursteintreppe, einer neuen, die steile und begrünte Böschung überspannenden Stahltreppe und den vor der bestehenden Grillhütte angelegten Kiesflächen mit Sitzpodest unter den Kirschbäumen vor der Grillhütte entwickelt sich ein spielerischer Spazierweg mit stetig wechselnden Blickverbindungen auf Wasser und Wiesen. Die Quelle ist nun optisch und funktional der Dreh- und Angelpunkt der kleinen Parkanlage – ein neuer Treffpunkt für die Bewohner des Ortes sowie für Wander- und Fahrradtouristen entlang der Erft.
Die verwendeten Steine stammen überwiegend aus der Region, die Farben von Stein- und Kiesflächen orientieren sich am Bestand. Scharfkantige, geometrisch klare Stein- und Betonflächen sind eingebettet in die gebrochenen und rauhen Kalksteinblöcke der Uferkanten, helle, glatte, gesägte und gestockte Oberflächen kontrastieren mit dunkleren, rauhen Bruchflächen. Einige Mauerbereiche sind als Sitzbänke ausgebildet und dazu mit Eichenbohlen belegt. Treppe und Brückengeländer sind aus verzinktem Stahl gefertigt. Die Gitterstufen und -geländer der Treppe schaffen größtmögliche Rutsch- und Absturzsicherheit bei gleichzeitiger Transparenz, die Treppe wird allmählich in der begrünten Böschung aufgehen. Die Abfallbehälter und Stahlbegrenzungen zwischen Kies- und Rasenflächen bestehen aus braunem Cortenstahl, die an den zentralen Stufen und Podesten angeordneten Pollerleuchten sind anthrazitfarben lackiert.
Die Anlage ist so konzipiert, daß sich das Wasser bei einem erneuten Flutereignis im Gelände ausdehnen und der Steg überflutet werden kann und Schäden durch Hochwasser so zukünftig hoffentlich geringer ausfallen werden als im Juli 2021.






























































































































































































































































































































































































































































































































