Realisierungswettbewerb / Gutachterverfahren 2008;

Stadt Gelsenkirchen

Auszug aus dem Erläuterungstext zum Wettbewerb:

fünf elemente bestimmen das räumliche gesamtkonzept:

das grundstück, die großen bäume, die alte kleinkinderschule, das neue dach und die neue spange.

sie formen eine neue eingangshalle mit zentraler küche und eßplatz, einen neuen vorplatz mit einem gut auffindbaren neuen eingang, eine neue terrasse als übergang in den garten, und neue gruppenräume mit geschützten außenbereichen. die charaktervollen bestandsmerkmale von haus und grundstück werden weiterentwickelt zu einem noch lebendigeren, abwechslungsreicheren raum- und funktionsgefüge mit fließenden übergängen von innen nach außen unter dem alles überwölbenden dach der großkronigen bäume. die gewählte leichte holzbauweise mit reduzierten fundamentabmessungen ermöglicht den nahezu kompletten erhalt des baumbestands: nur ein baum müßte bei dieser gebäudekonfiguration gefällt werden! die weitgespannte dachkonstruktion schafft fließende raumübergänge und große flexibillität in der nutzung und beim, - ggf. auch nachträglichen -, ausbau. die höhenstaffelung erlaubt die nutzung einer spiel- und ruhegalerie auf der neuen spange. das primärtragwerk der weitgespannten „open space“- konstruktion wird durch keilgezinkte brettschichtholzspanten gebildet. sie stehen auf einzelfundamenten auf der nordostseite und liegen im bereich der spange auf. von hier aus bilden sie ein auskragendes schützendes dach über den eingängen zur eingangshalle. die halle wird durch furnierschichtholzlamellen in verlängerung der leimbinder ebenfalls stützenfrei überspannt und an den bestandsbau angebunden. die dachkonstruktionen und/oder deren ausfachungen können in segmenten von 2.50 m breite in gleichmäßigen abmessungen vorgefertigt werden. licht- und spielhöfe um bestehende bäume können über einfache auswechslungen geschaffen werden. die abtragung der hauptlasten über punktförmige fundamente minimiert die eingriffe in das wurzelwerk der bäume. die langgestreckte spange beherbergt alle geforderten dienenden räume. sie kann darüber hinaus, -innen und außen-, als grundkonstruktion für vielfältige spiel- und kletternutzungen und auch zum weiterbau herangezogen werden. ihre mit großformatigen holzwerkstkoffen bekleidete holzkonstruktion kann in modulen von 2.50 m einschließlich aller dicht-, dämm- und installationselementen vorgefertigt werden. neben der rationellen und schnellen bauweise ist so ein hoher energetischer ausführungsstandard gesichert. die neue eingangshalle bildet das neue herzstück der gesamtanlage. alle funktionsbereiche werden von ihr erschlossen. sie wird zum treffpunkt für kinder, erzieher und eltern. eine eingestellte küche läßt sich nach bedarf zur halle öffnen und schirmt den eßbereich ab. die „box“ läßt sich mit sämtlichen installationen unabhängig vom primärtragwerk vorfertigen und zeitgerecht einbauen (plug-in system). der altbau wird über die bestehende galerie von der neuen halle aus erschlossen. zusätzlich zur bestehenden treppe wird eine rampe im bereich des jetzigen kellerzugangs errichtet, optional kann stattdessen auch ein aufzug mit anbindung an das kellergeschoss vorgesehen werden. das dach über der galerie wird unter beibehaltung der bestehenden denkmalgeschützten konstruktion verglast, so daß der altbau „in neuem licht“ erscheint.

die haustechnikmedien werden im bereich der spange zentral geführt und von dort verteilt. zur gewinnung von heizenergie wird erdwärme in verbindung mit einer einfachen, auch in einfamilienhäusern zur anwendung kommenden wärmepumpe vorgeschlagen, die raumheizung in den gruppenbereichen und der halle erfolgt über den fußboden (keine verletzungsgefährdenden heizkörper). die zentrale warmwassererwärmung kann angesichts der relativ großen verbrauchsmengen in kindergärten optimal über solarflächen auf dem flachdach erfolgen. raumbildung, konstruktion und haustechnik sollen soweit wie möglich über sinnliche reize das verständnis für gestalterische, räumliche und technische zusammenhänge erfahrbar machen: starke, tragende holzbalken bleiben sichtbar; das regenwasser wird erkennbar über die dreieckigen dachflächen in die längs der gruppenräume angeordnete retentionsfläche geleitet und mündet in eine „matschmulde“; sonnenlicht wird gezielt über dachoberlichte in die gruppenräume eingeleitet; fußböden können ihre temperatur verändern; holzoberflächen sind mal rauh, mal glatt und verändern ihre farbe. die gewählte holzbauweise erweitert diesen pädagogischen ansatz: durch die verwendung heimischer hölzer des landes nordrhein-westfalen wird ein wesentlicher beitrag zum nachhaltigen bauen geleistet. die primärenergiebilanz der rohbaukonstruktion des holztragwerks ist im hinblick auf primärenergieverbrauch, global warming potential, C02-minimierung und versäuerungspotential anderen bauweisen weit überlegen. diese technologischen eigenschaften der bauweise in verbindung mit einer ablesbaren konstruktion und deren geradezu erfahrbarer nachhaltigkeit könnten bestandteil des pädagogischen lehrkonzeptes im sinne einer umweltbewussten schulung von kindern werden, zumal wenn sie in einem kindergarten zu hause sind, der so eindrucksvoll vom naturelement baum geprägt ist wie der an der niefeldstraße in gelsenkirchen-buer.