Realisierungswettbewerb 2009; „engere Wahl"
Christina Enke, Anita Schepp;
TU Darmstadt
Auszug aus dem Erläuterungstext zum Wettbewerb:
Stadt- und Landschaftsraum
Die Lage zwischen Waldrand und Parklandschaft, die ““Universität im Grünen”“ wird zum Ausgangspunkt für die räumliche Fassung der ““Neuen Mitte”“, die landschaftliche Ausgestaltung und die Verknüpfung mit den bestehenden niversitätseinrichtungen. Zwei niedrige, dreigeschossige Baukörper vor den ringförmig in zweiter Reihe stehenden hohen Institutsgebäuden begrenzen die ““Neue Mitte”“. Der vorgeschlagene Baukörper im Westen (späterer Bauabschnitt) nimmt die Fluchten der Architekturfakultät auf. Das winkelförmige neue Hörsaal- und Medienzentrum bildet den Rahmen für einen gro.zügigen Campus. Die neuen Gebäude orientieren sich mit ihren Haupteingängen zur neuen Mitte und schaffen Durchgänge zu und von den Fakultätsgebäuden im Hintergrund. Die bestehende Mensa und deren Freianlagen wird über das neue Wegenetz eingebunden. Neue Einrichtungen für den öffentlichen Personennahverkehr sind so positioniert, dass die Haltestellen ““Campus Lichtwiese”“ unmittelbaren Zugang zu den neuen und alten Unterrichtsstätten erlaubt und den Campus beleben.
Außenanlagen
Ein großzügiges Rasenfeld dominiert den Raum. Eingelagert sind kleine Plätze und ein Wegenetz, das die Laufwege zwischen den umliegenden Gebäuden nachzeichnet und die angrenzenden Wege der Lichtwiese und der sie umgebenden Gebäudezuwegungen neu zusammenführt. Es entsteht ein Campus mit hoher Aufenthaltsqualität - ein Ort der Kommunikation, der Aktion und Reflektion. Aus den horizontalen Rasenfeldern entwickeln sich Sitzterrassen entlang der dem Geländeverlauf angepassten Wege. Der unterschiedliche Zuschnitt der Rasenflächen ermöglicht differenzierte Spiel- und Sportmöglichkeiten. Lockerer Altbaumbestand und neue Solitärbäume verschiedenster Arten überstellen den Campus. Kirschen, Eschen, Eichen, Gleditschien, Ahorne, Hartriegel,….schaffen eine einzigartige Atmosphäre durch Blüte, Habitus und Herbstfärbung. Sie lassen ein heiteres Licht-, Farb- und Schattenspiel auf dem Campus entstehen. Befestigte Flächen aus Betonwerksteinplatten definieren die „harten“ Platzbereiche. Baumraster und Alleen rhythmisieren die Straßen und Plätze, schaffen Ordnung im bis jetzt heterogenen Umfeld. Die Dachflächen der neuen Gebäude fungieren ebenfalls als begrünte und genutzte Freiflächen (““5. Fassade”“).
Gebäude
Dem neuen Hörsaal- und Medienzentrum erkennt man seine öffentliche Funktion auf dem Universitätsgelände an. Zwei große Foyers öffnen sich zum Campus und laden mit ihren weithin nach außen sichtbaren Erschließungen zum Besuch der Gebäude ein. Eine einfache horizontale gelagerte Gebäudestruktur, die durch Atrien vertikal gegliedert werden erlaubt einfache, nutzerfreundliche Funktionsabläufe vom Eingang bis zum Buch:
Erdgeschoss:
Die Erdgeschosszone beherbergt die wesentlichen Erschließungs- und Informationseinrichtungen wie Garderoben, Infotheken, Buchrückgabeeinrichtungen und Wartebereiche. Eine Spange entlang der Gebäudefront zum Campus mit Cafeteria, Schnellimbiss, Kiosk und Buchladen verbindet die beiden Foyers miteinander; dem Geländerverlauf folgende höhengestaffelte Terrassen und Sitzstufen verbinden Innen und Außen und bieten einen attraktiven Ort zum Verweilen unter den schattenspendenden Bäumen vor dem Gebäude zwischen den Unterrichtsveranstaltungen. Die großen Hörsäle können durch die Ausnutzung des vorhandenen Geländeverlaufs in die Struktur des Gebäudes integriert werden (Raumhöhe); sie werden umlaufend, soweit die Funktionen dies erlauben, mit gefiltertem Tageslicht (unterschiedlich stark perforierte Fassadenelemente vor Fensterfronten) versorgt; ihre technische Versorgung erfolgt über unter der abgetreppten Saalebene geführte Medienleitungen; In der Nähe zur Straße gelegen, lassen sich alle Anliefer- und Wartungsvorgänge einfach über das Erdgeschoss bewerkstelligen.
- Obergeschoss:
Diese Ebene ist gekennzeichnet durch einen umlaufenden Geb.uderücksprung, durch den umlaufende, geschützte Terrassen vor den hier überwiegend angeordneten Seminar- und Gruppenräumen entstehen. Alle Unterrichtsräume orientieren sich somit nach außen, haben Ausblick in die Umgebung, sind vor Sonneneinstrahlung weitgehend natürlich geschützt, können natürlich be- und entlüftet werden und lassen sich bei gutem Wetter auf die Terrassen hinaus erweitern. Sie tragen somit zu einer angenehmen und damit effizienten Lehrsituation bei. Die Balkone können zur Ergänzung der Fluchtwegführung dieser Ebene mit großem Besucherandrang herangezogen werden.
- Obergeschoss: Das zweite Obergeschoss ist komplett den Büchern vorbehalten; auch hier unterstützt die Gebäudestruktur einfache, nachvollziehbare Funktionsabläufe. An den Aufgängen liegen die zentralen Fachinformationsstellen mit der notwendigen Infrastruktur zur schnellen Orientierung. Von dort entwickelt sich ein immer weiter verästeltes Wegesystem durch die Bücherregale, das rundum an den Fassaden mit Sitzmöglichkeiten zum Arbeiten, Studieren oder auch nur Stöbern in gefundenen Unterlagen einlädt. Ein Fensterschlitz oberhalb des umlaufenden Arbeitsbordes ermöglicht Ausblicke in die Umgebung, kleine Lüftungsklappen ermöglichen individuelle Frischluftzufuhr, innenseitige Blendschutzrollos lassen sich ebenfalls individuell und arbeitsplatzbezogen einstellen; Zwei Dachaufbauten bieten Platz für zurückgezogenes, konzentrierteres Arbeiten in abgetrennten Arbeitsräumen. Ausblick und Zutritt zum Dachgarten sorgen für eine angenehme, konzentrationsfördernde Arbeitsatmosphäre. Ein zusätzlicher Zugang direkt vom Atrium über dem Foyer vor den Hörsälen ermöglicht den ““schnellen Zugang”“ zur Bibliothek nach Vorlesung oder Seminar. Die Atmosphäre in der Bibliothek ist geprägt von unterschiedlichen Tageslichtsituationen. Der rundumlaufende Fensterschlitz ermöglicht Ausblicke während der Arbeit, die darüberliegenden Fensterflächen werden abgeschirmt durch eine unterschiedlich stark perforierte Fassadenkonstruktion. So entsteht eine gleichbleibende, gleichwohl vom Licht- und Schattenspiel unterschiedlicher Intensität geprägte Atmosphäre. Zur Ausleuchtung bis in gößere Raumtiefen sind die höhergelegenen Metallpaneele stärker perforiert und die dahinterliegende Glascheibe mit Lichtlenklamellen ausgestattet. In der Gebäudemitte dringt Tageslicht über die eingeschnittenen Atrien und die Dachaufbauten ein.
Arbeitsabläufe Bibliothek:
Die Arbeitsplätze für die Bibliothek entwickeln sich aus den Abläufen und Anforderungen: Alle Verleih- und Rücknahmevorg.nge finden an zentraler Stelle im EG statt. Hier gliedern sich die ergänzenden Arbeitsplätze, Lager und Werkstätten an. Die Bibliotheksleitung ist ebenfalls in der Nähe der zentralen Informationsstelle angeordnet und direkt vom Foyer erreichbar. Ein interner Erschließungskern mit Treppe und Aufzug ermöglicht die direkte Verbindung zwischen allen Bibliotheksebenen. Die unmittelbar buchbezogenen Arbeiten der Fachteams sind in den Büror.umen um das baumbestandene Atrium im Schnittpunkt zwischen den Gebäudeflügeln angeordnet. Auch diese Büros haben Tageslicht und können natürlich be- und entlüftet werden.
Konstruktion und Materialien
Tragwerk
Die Tragstruktur wird als Stahlbeton-Skelettsystem ausgebildet, in die sich weit gespannte Massivdeckensysteme einlegen. Das Stützenraster beträgt dabei bis zu 7,50 m auf 10 m. Die Stützen des Skelettsystems werden als Hohlkammerstützen ausgebildet, die eine Integration von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie Entwässerung und deren Revisionierbarkeit ermöglichen. Die massiven Slimfloor-Decken werden zur Verringerung des Eigengewichtes und Erhöhung der Steifigkeit ebenfalls mit als Hohlraumkonstruktionen ausgeführt (z.B. System Cobiax). Im Bereich der Hörsäle finden Raumtragwerke in Form eine biaxialen Trägerrostsystems Anwendung.
Die Ebenen über dem großen Hörsaal werden dabei mit einem Stahl-Verbundrost über die gesamte Gebäudebreite überspannt. Die Auskragung des Gebäudes im Eingangsbereich leitet sich über wandscheibenartigen Träger der flankierenden Wände ab, die sich im Erdgeschoss in Stützen auflösen.
Fassaden
Die Fassadenkonstruktion entwickelt sich aus den vielfältigen und unterschiedlichen funktionalen Anforderungen der Räume. Das Bild des Gebäudes von außen wird dabei geprägt von einer zunächst homogenen, horizontal gegliederten metallischen Hülle (z.B. Kupfer…..). Die horizontalen Felder werden dabei unterschiedlich stark perforiert, so daß geschlossene Flächen mit unterschiedlich durchsichtigen und durchscheinenden Feldern wechseln. So lassen sich Bereiche, für die zwar Tageslicht erwünscht, aufgrund der besonderen Funktionen aber ganz oder teilweise ausgeblendet werden muß (Verdunkelung, Blendung, Sonnenschutz im Hörsaal- und Bibliotheksbereich) ohne bewegliche und technisch aufwändige Fassadenelemente natürlich belichten. Bei Dunkelheit erscheint das Gebäude als von innen heraus leuchtende Skulptur. Im Gegensatz dazu werden die Fassaden der Seminar- und ruppenräume weitgehend verglast. Die Glasflächen der Seminarebene werden zu einem großen Teil durch den Fassadenrücksprung verschattet, zusätzlich werden horizontal verschiebbare Metalltafeln zu Blendund Sonnenschutz bei flachen Sonnenständen vorgesehen. Große .ffnungsflügel ermöglichen die Raumerweiterung auf die Terrassen zu den Grünanlagen.
Gebäudetechnik
Die ganzheitliche Betrachtung integraler Gebäudesysteme bildet die wesentliche Grundlage für eine nachhaltige Anlagentechnik. Diese ist hierbei im Verbund mit der Fassade und Bauphysik ganz auf einen individuellen Lösungsansatz ausgerichtet. Energiekonzept Das Energiekonzept sieht eine ressourcenschonende Verwendung von Primärenergie vor. Dies wird durch den Einsatz innovativer Technologien erreicht, welche neben einer Effizienzsteigerung der Anlagentechnik auch zu einer Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Gebäudekomplexes in Verbindung mit einer Kostenminimierung für Betrieb und Wartung (Live-cycle-costs) führen.
Energieerzeugung
Die Energieerzeugung für das Universitätsgebäude erfolgt über eine Technikzentrale, die sich im Untergeschoss unterhalb der Hörsäle befindet und in die die Anlagentechnik für Wärme-, Kälte-, Elektro-, Trinkwasser-, Frischluft- und Stromversorgung untergebracht ist. Die gewünschte hohe Wirtschaftlichkeit in Verbindung mit einer Kostenreduktion wird durch folgende Systemkomponenten erreicht.
Nutzung von Geothermie zur Grundlastabdeckung der Heiz- und Kühlenergie; Verwendung der vorhandenen Fernwärme, vorausgesetzt der Primärenergiefaktor der Fernwärme erfüllt die Anforderungen des Erneuerbaren Energien Wärmegesetzes (EeWG); Alternativ: Verwendung einer Holzpelletanlage zur CO2-neutralen Erzeugung von Heizenergie, falls die Fernwärme primärenergetisch sich als nicht sinnvoll erweist; Bereitstellung der benötigten Kälteenergie über Adsorptionskältemaschine Erzeugung der benötigten Kühlenergie im Spitzenbetrieb durch Kompressionskältemaschine Raumluftversorgung der Hörsäle unter Verwendung vom Adsorptions- bzw. Absorptionsgestützte Kühlung und Vorwärmung/-Kühlung der Außenluft über das Erdreich Nutzung von Solarthermie zur Trinkwarmwasserbereitung
Raumklimakonzepte
Grundsätzlich ist die Idee des Entwurfs, weitgehend das Gebäude mit natürlicher Lüftung zu versorgen. Die Atrien dienen dazu als Luftbrunnen, der jahreszeitlich abhängig durch geregelte Klappensteuerung die rischluftversorgung von Nutzungsbereichen übernimmt. Seminarräume/Arbeitsräume Die Seminarräume werden natürlich über die Fassade be- und entlüftet. Zur Beheizung wird eine raumhohe leistungsstarke Heizwand vor den opaken Außenwandanteil gestellt und die Grundlast wird mit einer Betonkernaktivierung sichergestellt. Mit der Betonkernaktivierung können thermisch höher belastete Räume auch gekühlt werden.
Bibliothek
Die Bibliothek ist über den Luftbrunnen und die Fassade so lange wie die Außenluftbedingungen das zulassen weitgehend natürlich belüftet. Zur raumlufttechnischen Versorgung werden Quellluftauslöser an den Schacht-/Treppenhauskern angeordnet. Die Beheizung erfolgt über die Betonkernaktivierung, die im Sommer die Bibliothek auch moderat kühlt.
Hörsäle
Die Hörsäle erhalten eine raumlufttechnische Anlage zur Konditionierung. Die Außenluft wird über einen Erdkanal dabei vorgekühlt bzw. vorgeheizt. Kühlenergie im Sommer wird über den Absorptionsprozess bereitgestellt. Die Zuluft wird als Quellluft im H.rsaalgestühl eingebracht.





