Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung; Ausschreibungen und Bauleitung

Mitarbeit:Felix Engelhardt (Michael Scholz, Josef Verhoff 1996)

Fertigstellung:1996 / 2015 / 2024

Auftraggeber:privat

Im Jahr 1996 realisierten wir unser erstes eigenes Projekt als freischaffende Architekten: Eine in die Jahre gekommene, zum Teil noch bewohnte Doppelhaushälfte aus den 50er Jahren, errichtet auf den noch erkennbaren Mauern eines Hauses aus der Gründerzeit, mußte saniert und sollte dabei umgebaut werden. Gefragt war eine neue Wohnung für eine Familie und möglichst zwei weitere kleinere Einheiten zur Vermietung. Das Haus sollte so organisiert werden, daß die Wohnungen später kombiniert werden könnten.

Wir begannen mit einer umfassenden Planung, Wünsche mußten auf bauliche und finanzielle Rahmenbedingungen abgestimmt, Prioritäten gesetzt, Varianten durchgespielt werden. Realisiert wurden dann zunächst nur Teile dieser Planungen, einen Anteil davon wollte der Bauherr in Eigenleistung erbringen.

Wir sicherten die Substanz des Gebäudes, erneuerten große Teile der Technik und verbesserten den Wärmeschutz der Fassaden. Eine neue Treppe wurde eingefügt, um zwei Etagen zu einer Nutzungseinheit zusammenzufassen. Dach- und Untergeschoss blieben zunächst unangetastet, wurden jedoch für mögliche spätere Umbauten vorbereitet.

Trotz dieser Kompromisse wurde von Bauherrn und uns höchster Wert auf Qualität von Planung und Ausführung gelegt. Spätere Umbauten sollten vorgenommen werden können, ohne Bestehendes zu zerstören.

Fast zwanzig Jahre später folgte der lange aufgeschobene Dachausbau. Unser Konzept von 1996 bewährte sich: Die Dachkonstruktion ließ sich ohne Schäden an der Fassade abtragen und neu aufsetzen. Um großzügige Räume im Dach zu schaffen, entwickelten wir ein Tragwerk aus großformatigen Holzscheiben, das die Lasten auf die dünnen Wände und Decken der 50er Jahre verteilte. Diese weiß lasierten Elemente prägen den zweigeschossigen Innenraum. Durch deren Vorfertigung ließ sich die Bauzeit verkürzen, sodass die Arbeiten im bewohnten Haus stattfinden konnten.

Noch einmal zehn Jahre später bauten wir nun das Haus erneut um. Eines der Kinder hatte es mit seiner Familie übernommen, so daß zusätzlicher Platz geschaffen werden mußte, während die bisherige Eigentümerin auf verkleinerter Fläche wohnen bleiben und die Dachwohnung weiterhin vermietet werden sollte. Teile des Kellers wurden saniert und als Wohnfläche aktiviert, was die Nutzungsmöglichkeiten weiter steigerte. Auch diesmal blieb das Haus während der Bauzeit bewohnt, die Arbeiten erfolgten teils wieder „am offenen Herzen“: Alte Grundleitungen wurden modernisiert, Fundamente und Kellerabdichtungen ergänzt. Wieder nutzten wir die vor Jahrzehnten eingeplanten Sollbruchstellen, um neue und alte Bauteile nahtlos zu verbinden. Die Außenanlagen passten wir an die neuen Fensteröffnungen im Souterrain an, sodass die Räume dort nun direkt in den blühenden Garten blicken.

Die stringente, ganzheitliche Planung von Anfang an zahlte sich aus: Sorgfältige Detailarbeit, vielfältig durchdachte Varianten und strenge Baukontrolle ermöglichten auch während der Bauzeit immer wieder Anpassungen an vorgefundene Konstruktionen und damit auch an die finanziellen Möglichkeiten, ohne die „große Linie“ zu verlieren.

Wohnhäuser sind langlebig, aber immer auch nur Momentaufnahmen. Das Leben in ihnen verändert sich, und sie müssen sich anpassen können. Häuser sollten daher trotz aller gestalterischen Ansprüche offen bleiben für Unvorhergesehenes, überraschende Ecken, Nischen und Unperfektes. Eine ganzheitliche Planung und Bauleitung, die dies berücksichtigt, schafft Raum für kontrollierte Weiterentwicklungen - während der Bauzeit bis zur späteren Nutzung. Manchmal lohnt es sich dann auch, statt aufwendiger Umbauten die eigenen Gewohnheiten an ein Gebäude anzupassen. Ein gelungener Raum, schönes Licht, angenehmes Material, eine skurrile Ecke oder auch eine alte Schrunde können Identität stiften …… und Kosten sparen.