Realisierungswettbewerb 2013;

Friedrich Prigge, Christina Enke;

Stadt Regensburg

Viola Epler

Auszug aus dem Erläuterungstext zum Wettbewerb:

Ziele

Schaffung eines neuen Platzes inmitten der historischen Stadtlandschaft;

Ergänzung und Weiterführung von Stadtsilhouette und -grundriss;

Errichtung eines offenen und flexibel nutzbaren Hauses;

Schaffung eines lebendigen und abwechslungreichen Museumsrundganges.

Stadtraum und Außenanlagen

Die Ausrichtung des Gebäudes erlaubt die Schaffung eines neuen Platzes an der Kreuzung zwischen der bestehenden Nord-Südachse und dem Donauufer. Er ergänzt die bestehende Platzfolge entlang der Martin-Luther- Straße. Direkt am Donauufer gelegen, ist er gleichermaßen dem Naturraum der Donau und der historischen Altstadt zugewandt, gibt dem Brückenkopf der ““Eisernen Brücke”“ Platz, dient als Terrasse mit Zugang zur Donau und bildet das Entree in die historischen Gassen der Altstadt. Gerahmt von einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Gebäude und Funktionen birgt der neue Hunnenplatz das Potential für einen lebendigen städtischen Erlebnisraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Diese entsteht nicht zuletzt durch die gut besonnte, einladende, räumlich vielfältig gegliederte und belebte Platzfassade mit Museumseingang, -shop und -restaurant. Der Platz bietet ausreichend Platz für den beliebten Wochenmarkt am Samstag direkt vor dem Gebäude. Das zweigeschossige Museumsrestaurant ist dabei wie geschaffen für eine Pause beim Einkauf. Die unterschiedlich geneigten Dachflächen des Museumsneubaus nehmen Fluchten und Dachneigungen der Bestandsgebäude entlang der Ostengasse auf und verlängern diese bis ans Donauufer. So entsteht eine markante Silhouette entlang der Donau, die am Rand bestehende Gebäudehöhen aufnimmt und sich in Verlängerung der Trunzergasse über einem spektakulären Atrium bis über die unmittelbar angrenzenden Gebäude zu einer hochgelegenen Aussichtsplatform aufschwingt. Die Flächen um das Gebäude werden entsprechend dem Verkehrskonzept der Stadt Regensburg nach dem Prinzip des ““shared-space”“ ausgebildet. Das ermöglicht eine weitgehend homogene Belagsfläche aus Natursteinen oder farbigen Betonwerksteinen. Soweit noch Markierungen für den Verkehr notwendig werden, sollen diese über farbig abgesetzte Pflasterungen oder Wechsel in den Belagsgrößen hergestellt werden.

Die Planung nimmt die bisher entwickelten städtischen Planungen für die Uferausbildung auf, die Lage der Rampe für die Abfahrt von Bussen ans Donauufer wird auf die Platzkanten bezogen. Das Erdgeschossniveau des neuen Hauses liegt oberhalb des vorgegebenen ““Freibordes”“ für das sogenannte ““Jahrhunderthochwasser”“. Besondere Maßnahmen diesbezüglich werden damit nicht notwendig.

Gebäude

Das neue Museum präsentiert sich als offenes, lebendiges und eng mit dem öffentlichen Raum vernetztes Gebäude. Die Eingangsfassade zum neuen Platz ist als überdachte zweigeschossige, belebte Loggia ausgebildet, die einen großzügigen Einblick und Eingang ins Museumsfoyer erlaubt. Museumsshop und -restaurant sind hier angeordnet und können unabhängig vom Museum betrieben werden. Das Foyer verlängert den städtischen Platz vorbei an Kasse, Schauraum und Wartebereich entlang einem großen Panoramafenster zur Donau bis tief in das neue Gebäude hinein zu den Räumen für Wechselausstellungen, Vorträge, Musik- und Theatervorführungen und sonstige Veranstaltungen. Die Kassenanlage liegt an zentraler Stelle vor dem großen Fenster zur Donau, gegenüber ein Wartebereich, über den die Garderoben und WC Anlagen im Untergeschoss erschlossen werden.

Am Ende des langestreckten Foyers öffnet sich das Gebäude über ein spektakuläres Atrium mit den versetzt angeordneten Ausstellungsebenen bis unter das bewegte Dach. Eine gradläufige Treppe markiert den Einstieg in den Museumsrundgang. Dieser führt zunächst auf die Ebene für die Dauerausstellung 1, einer gro.zügig bemessenen, stützenfreien Halle bis über 8m Höhe mit Installationen, Darbietungen und Ausstellungen rund um das Thema ““Traditionen”“. Für den schnellen Aufstieg in die Ausstellungsräume und die angrenzenden Nebenräume liegen rechts und links des Atriums jeweils zwischen horizontal geschlitzten Wandscheiben die beiden eistungsfähigen Aufzüge. Der Zugang zu den Ausstellungsebenen erfolgt von diesen Aufzügen über Brücken zwischen den Wandscheiben, die schmalen Öffnungen rahmen gezielte Ausblicke zur Donau und zur Trunzergasse. Über die Fensterschlitze fällt auf beiden Seiten und über die gesamte Gebäudehöhe gefiltertes Tageslicht in das Atrium. Spiralförmig um das Atrium herum führt der Museumsrundgang weiter hinauf. Zunächst um ein halbes Geschoss in die langgestreckte, ebenfalls stützenfreie Halle für die Dauerausstellung 2 mit dem Thema ““Generationen”“. Das auf- und abschwingende Dach, - auch hier gehen die Raumhöhen bis über 8 m -, ermöglicht eine räumliche Zonierung der Ausstellungen, die ansonsten unabhängig von der Grundkonstruktion aufgebaut werden können. Eine gleichmäßige Lichtverteilung wird über die folienbespannten und geneigten Lichtdecken erzeugt, Lichtschienen entlang der Hauptträger quer zur Halle ermöglichen die punktuelle Ausleuchtung besonderer Ausstellungsgegenstände und -situationen. Am Ende der Halle erlaubt ein langes Fensterband einen attraktiven Ausblick über den Hunnenplatz und die Donauniederung. Ein langgestreckter Flügel parallel zum Platz mit einem großen Oberlicht schafft Raum für spezielle Präsentationen innernalb der Dauerausstellung.

Wieder zurück im Atrium hebt sich der Blick hinauf in den ““Bayerischen Himmel”“, in unserer Vorstellung eine große, hinterleuchtete Deckeninstallation aus vielfältigen, spielerisch entwickelten und angeordneten Malereien, Projektionen und Klangspielen. Die Installation spannt sich über die gesamte Gebäudebreite. Ein Steg führt knapp unterhalb der Installation entlang, Kopfhörer hängen von der Decke, einzelne Bilder, Projektionen und Gegenstände, die um die ““bayerische Seele”“ kreisen werden im Detail sichtbar und fügen sich beim abschließenden Blick auf das Gesamtkunstwerk wieder zu einem vielfältigen Abbild des ““Bayerischen”“ zusammen.

Der letzte Treppenlauf führt auf die oberste Ebene der Dauerausstellung und eine Panoramaterrasse, wo der Raum sich öffnet und den Blick über die vorgelagerte Hügellandschaft des Gebäudedaches freigibt auf das Panorama aus Türmen, Dächern und Dachaufbauten bis weit über die Stadt hinaus: der ““wahre Bayerische Himmel”“ wird hier sichtbar, im besten Falle weißblau, in jedem Fall aber jeden Tag neu mit immer wieder sich verändernden Lichtmodulationen der historischen Stadtkulisse und der umgebenden Hügellandschaft. Die Räumlichkeiten für das zweite ““Standbein”“ des neuen Hauses der bayerischen Geschichte, die Bavariathek, schließen auf der der Altstadt zugewandten Seite an und beziehen das denkmalgeschützte Haus Ostengasse 5 mit ein. Die Einrichtungen haben einen eigenen Eingang über das Haus in der Ostengasse, sind aber auch über eine Zwischenebene im Foyer unmittelbar ans Museum angeschlossen. Auf dieser Zwischenebene im Foyer liegen die beiden Unterrichtsräume mit Blick hinaus zur Donau. Sie bilden eine ““Brücke”“ zwischen Bavariathek/Verwaltung und dem Museumsfoyer und sind über einen eigenen Aufzug und eine separate Treppenanlage vom Wartebereich des Museums erschlossen. Eine langgestreckte Erschließungsspange durchzieht das Gebäude von Ost nach West parallel zu den Ausstellungsräumen und beherbergt die internen Erschließungen für den Museumsbetrieb, ermöglicht die Führung der Hauptversorgungstrassen für die Haustechnik und wird als zweiter Rettungsweg für die Museumsräume herangezogen. Sie ist auf allen Ausstellungsebenen mit dem großen Lastenaufzug und damit mit der Anlieferzone in der Klostermeyergasse verbunden. Überdimensionale Exponate könnten über Seilzugvorrichtungen im Dach über das Atrium transportiert werden. Für die Museumsleitung werden die denkmalgerecht sanierten und transformierten Räume des Gebäudes an der Ostengasse vorgehalten. Sie werden über die restaurierte Fassade unabhängig vom Museum erschlossen. Adresse für die Verwaltung und Leitung ist also die Ostengasse 5. Über einen mehrgeschossigen Hof werden die Ebenen des Bestandsgebäudes untereinander und mit den versetzt angeordneten Ebenen des Neubaus verbunden. Es entsteht über alle Ebenen, - vom Archiv im Erdgeschoss über die Bibliothek, die Räume für die wissenschaftliche Arbeit der Bavariathek bis hinauf zur Verwaltung -, ein kommunikationsförderndes Raumgefüge mit Ausblicken in die Trunzer- und die Klostermeyergasse. Im Haus in der Ostengasse entstehen repräsentative Empfangs- und Büror.ume für die Museumsleitung, unter dem historischen Dachgebälk wird ein attraktiver Besprechungsraum entstehen.

Konstruktion und Material

Die Grundkonstruktion wird durch eine Mischbauweise aus weitgehend vorgefertigten, zum Teil vorgespannten Stützen, Wänden, Decken und Unterzügen aus Beton gebildet. Der Neubau ist dazu auf einem Grundraster von 9 auf 16 m aufgebaut, so daß im wesentlichen Bauteile immer gleicher Dimensionierung zur Anwendung kommen können. Außen wird das Gebäude wärmegedämmt und mit einer massiven Vorsatzschale aus gebrannten, flachen Ziegelsteinen in Überlängen bekleidet. Der Farbton dieser Steine soll dabei die Farben des in großen Teilen der Stadt und an wichtigen Bauwerken verwendeten Grünsandsteins aufnehmen.

Fenster und Fassaden werden als Holzaluminiumkonstruktionen ausgeführt, mit dunklen Profilen auf der Außenund warmtonigen Eichenhölzern auf der Innenseite. Die Fußböden im Erdgeschoss aus eingefärbten und geschliffenen Estrichflächen werden die Farbigkeit der umgebenden Pflasterung fortführen, in den Obergeschossen werden möglichst breite und lange Eichendielen verlegt. Die Wände werden mit einem Kalkputz versehen und gestrichen, die Außenseite des Schauraums im Erdgeschoss wird in teilweise gestockten, gespitztem oder bedrucktem Sichtbeton ausgeführt. Sämtliche Einbauten wie Türen, Sitzbänke und Brüstungsabdeckungen werden in Holzoberfläche aus heimischer Eiche vorgesehen. Die Dachkontur entsteht durch die versetzte Anordnung immer gleicher vorgefertigter Stahlfachwerkträger, die die Ausstellungsräume stützenfrei von Außenwand zu Außenwand überspannen. Die unterschiedlich geneigten Dachflächen werden durch ebene Trapezbleche hergestellt, die die Dachhaut aus Dämmung und Dichtung tragen. Den oberen Abschluß bildet eine lechabdeckung, farblich abgestimmt auf den verwendeten Fassadenziegel und an die Dächer der Umgebung, z.B. aus Zink oder Kupfer. Die Decke über den Ausstellungsräumen ist unterseitig als Lichtdecke ausgebildet. Über rechteckige, zwischen die Träger eingefügte Stahlrahmen, in die die Leuchtkörper eingebaut sind, wird eine lichtdurchlässige Folie gespannt, so daß eine gleichmäßige Grundausleuchtung gewährleistet ist. Die einzelnen Flächen lassen sich in Intensität und Farbe steuern. Entlang der Trägerunterseiten sind Stromschienen vorgesehen, in die Strahler und Sonderleuchten ausstellungsbezogen eingehängt werden können.