Holzbaupreis Eifel 2020

Entwurfs- und Ausführungsplanung, Ausschreibungen, Bauleitung;

Mitarbeit:Felix Engelhardt, Lisa Lippe

Fertigstellung:2020

Auftraggeber:privat

Fotos:Viola Epler

Die anfangs des 20 Jhdts. nach Planungen von Paul Baumgarten für den Bankier Deichmann errichtete Gutsanlage im Mechernicher Forst sollte an die veränderten Nutzungsanforderungen der heutigen Bewohner und des angegliederten Forstbetriebs angepasst werden.

Da der denkmalgeschützte Gebäudekomplex auch gut hundert Jahre nach seiner Errichtung noch von einer hohen gestalterischen Qualität zeugt und in seiner Grundsubstanz in einem ordentlichen Zustand war, wurde versucht mit möglichst wenigen baulichen Eingriffen die vorhandenen Räumlichkeiten und deren Qualitäten wiederzubeleben oder neu zu nutzen. Im Zuge der Maßnahme galt es dabei auch, im Laufe von Jahrzehnten angefallene notwendige Reparaturen an Gebäude und Infrastruktur der Anlage denkmalgerecht vorzunehmen.

In dem dreiflügeligen Gebäudeensemble wurde in dem die Gutsanlage nach Norden abschließenden Flügel das Dachgeschoss durch neue Einbauten für die Büroräume des Forstbetriebes und die Räume des Untergeschosses durch Sanierung für die Unterbringung von Werkstätten und Lagerräumen nutzbar gemacht. Eine neue Treppenanlage im Mittelrisalit der ehemaligen Remise verbindet die neuen Nutzungen mit dem Gebäudeeingang aus dem Hof. Durch die Verlagerung dieser Nutzungen wurden im Westflügel, auf der Stirnseite der Hofanlage, Räume frei für eine neue, ebenerdig erreichbare altengerechte Wohnung.

Im Südflügel wurden partielle Umbaumaßnahmen zur Verbesserung der Wohnqualität und der Infrastruktur vorgenommen. Die Errichtung eines neuen Garagengebäudes mit darunterliegendem neugeschaffenem Reservoir für das Löschwasser leicht abseits der Hofanlage runden die Maßnahmen ab.

Die Einbauten in der Remise wurden nach dem “Haus-im-Haus” Prinzip vorgenommen. In die Grundkonstruktion des Gebäudes wurde ein konstruktiv und thermisch vom Bestand unabhängiger, weitgehend verglaster Baukörper eingefügt. Die intakte Dachdeckung und -konstruktion aus Schiefer des Bestandsgebäudes brauchten nur partiell angetastet zu werden. Auf der Nordseite der Dachfläche wurden lediglich eine Reihe einfacher, ungedämmter Dachluken zur Tageslicht- führung eingefügt. Durch vergrößerte Glasflächen der bestehenden Gauben auf der Hofseite gelangt Sonnenlicht in den Innenraum und es entsteht ein kleiner Wintergarten mit Ausblick zum Hof. Der verbleibende Raum zwischen Einbau und altem Dachstuhl wird als Erweiterungsfläche für die Büros und als Ausstellungsfläche für historische Holzwirtschaftswerkzeuge genutzt. Über eine eingestellte Treppenkonstruktion aus Holztafeln wird der langgestreckte, neue Büroraum mittig erschlossen. Alte und neue Konstruktionen und Materialien durchdringen sich auf vielfältige Art und Weise: Die wuchtige Holzkonstruktion des großen Daches scheint hinter den feingliedrigen Holz-/Glas- wänden auf, die bestehenden zangenartigen Kehlbalken werden als Beleuchtungskörper genutzt, Teile der alten Stallabtrennungen im Erdgeschoss wurden in die Treppenanlage miteinbezogen und werden zum Raumteiler in der Teeküche, der ehemalige Futtertrog taucht als Handwaschbecken im Sanitärbereich wieder auf, eine neue Treppe aus Sichtbeton führt hinunter in die freigelegten Ziegel- und Natursteinmauern des Untergeschosses.