Entwurfs- und Genehmigungsplanung, Teile der Ausführungsplanung

Mitarbeit:Anatol Bogislav

Fertigstellung:voraussichtlich 2019

Auftraggeber:privat

Immer häufiger werden wir damit konfrontiert, daß selbst bei kleineren Projekten nur Teilleistungen der traditionellen Architektenarbeit abgerufen und “der Rest” in sogenannter Eigenleistung oder, in diesem Fall, Eigenregie, vom Bauherrn weitergeführt werden.

Die meist, zumindest im Hinblick auf die Wünsche, sehr knappen Budgets, führen zu dem Gedanken, zuerst einmal an der Planung zu sparen. Fertighausindustrie und clevere Ausführungsfirmen unterstützen diese “Sparidee”, weil sie so ihre Produkte einfacher an den Mann bringen, ohne Aufpasser arbeiten können und daran gut verdienen.

Wir halten diese Herangehensweise angesichts der landauf landab zu bewundernden Ergebnisse für fatal, lassen uns aber gelegentlich auf solche Teilbeauftragungen ein, wenn wir das Gefühl gewinnen, daß es für die Bauherren nicht nur darum geht, den Bauantrag einzustreichen und dann zu machen was man oder die ausführende Firma für richtig hält, sondern wirklich Interesse an einem schlüssigen räumlich / funktionalen Konzept und dessen Umsetzung besteht.

Bei diesem Projekt gestaltete sich der Auftrag so, daß wir bis zur Genehmigungsplanung komplett beauftragt waren. Da die Bauherren aus Familien aus dem Baugewerbe stammen und somit auf professionelle Unterstützung zurückgegriffen werden konnte, sollte das Haus unter Hinzuziehung weiterer Handwerker in Eigenregie der Bauherren, aber nach ausdrücklichen Wunsch immerhin auf Grundlage der Architektenpläne entstehen. Diese wurden in einem zweiten Planungsschritt noch um Ausführungspläne für die wesentlichen Ausführungsdetails ergänzt.

Die Aufgabe bestand darin, ein bescheidenes, aber räumlich anspruchsvolles Einfamilienhaus zu planen. Explizit gefragt war ein “mutiger, gleichwohl regional angepaßter” Entwurf.

Einfamilienhäuser in standardisierten Bebauungsplänen wie dem hier vorliegenden folgen in der Regel immer dem gleichen Schema: Baurechtlich vorgegeben sind freistehende Häuser, um die Topographie zu erhalten, vermeintlich wenig Landschaft zu verbrauchen und eine Durchgrünung zu erzielen. Vorgegeben wird dann noch die Dachneigung als Reminiszenz an die Bautradition, ggf. noch ein Materialkanon vorgeschlagen.

Nun kann man grundsätzlich darüber streiten, ob ein freistehendes Einfamilienhaus überhaupt eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Art der Bebauung ist. Was man aber in jedem Fall bei fast allen Beispielen im ländlichen Raum feststellen kann ist, daß das Ziel einer durchgrünten, durch die bestehende Landschaft geprägten Siedlung selten erreicht wird, weil

  1. all diese Gebäude in der Regel auf angeschüttete Hügel gestellt werden (Fertighäuser lassen sich in der Regel nicht an die Geländehöhen anpassen), die die vorhandene Topographie negieren und
  2. mit Anbauten versehen werden, die bis an die Grundstücksgrenze reichen, dort auf die Garagen des Nachbarn treffen, und somit eine “Durchgrünung” und die Idee von einem freistehenden Haus von Anbeginn an ad absurdum führen. Mangelnde Fähigkeiten von Planern und mangelnde Durchsetzungskraft von Gemeinden bei der Durchsetzung von Planungsvorgaben ergänzen sich dabei meist in fataler Weise.

Das Haus hier versucht dennoch, solche ursprünglichen Ideen des B-Plans zu berücksichtigen:

  • das Gebäude einschließlich seiner Nebengebäude hält rundum Abstand zur Grundstücksgrenze, so daß zwischen den einzelnen Häusern tatsächlich Grünräume entstehen könnten;

  • die Gebäudeanordnung ermöglicht einen baulich gefaßten und geschützten Freibereich als Erweiterung des Innenraums;

  • das Haus folgt auch im Inneren der Topographie, so daß “von allein” eine Abfolge von niedrigen und hohen, engen und weiten Räumen entsteht, die den Blick in die Landschaft auf vielfältige Art und Weise Rahmen;

  • das alles passiert in einem einfachen rechteckigen Baukörper, der von einem weit auskragenden Satteldach geschützt wird.

Für das bewußt einfache und robuste räumliche Grundkonzept wurden Vorschläge für geometrisch exakte aber einfache Details erarbeitet, von denen wir hoffen, daß sie auch ohne intensive Baubetreuung realisiert werden können und dem Haus den gewünschten Charakter geben.

Wir drücken den Bauherren die Daumen und sind gespannt auf das Ergebnis!