Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung; Ausschreibungen und Bauleitung
Mitarbeit:Lisa Lippe, Felix Engelhardt
Fertigstellung:geplant für 2023
Auftraggeber:privat
Lage und Bestand
Das Baugrundstück liegt im Süden Kölns. In den fünfziger Jahren prägten kleine Ein- und Mehrfamilienhäuser mit fast dörflichem Charakter die grüne Siedlung. Heute wirkt die Umgebung uneinheitlich: Im Norden treffen schlichte, mehrgeschossige Wohnzeilen direkt auf Überreste der damaligen Einfamilienhäuser. Östlich liegt eine Grundschule mit bis zu dreigeschossigen, kubischen Gebäuden, die locker um einen Schulhof gruppiert sind, er- gänzt durch die in Köln üblichen Containerbauten. Im Süden schließt eine großzügige Grünanlage an.
Das Eckgrundstück war mit einem zweigeschossigen Einfamilienhaus aus den fünfziger Jahren bebaut, umgeben von Hecken und Sträuchern entlang der Straße. Der Bebauungsplan erlaubt inzwischen bis zu dreigeschossige Ge- bäude, wobei ein etwa fünf Meter breiter Streifen entlang der Straße freizuhalten ist. In den angrenzenden Ein- familienhausgebieten im Osten und Westen zeigt sich bereits eine Verdichtung: Aufstockungen und Anbauten er- weitern die ursprünglich kleinen, freistehenden Häuser.
Vorspiel
Die Bauherren wohnen derzeit in einem freistehenden Nachbarhaus, das sie bereits erweitert haben. Dieses Haus, das wir im Jahr 2000 von einem Mehrparteienhaus in ein Einfamilienhaus umgebaut haben, wird mit dem Auszug der Kinder allmählich zu groß und zu aufwendig.
Der Kauf des Nachbargrundstücks bot die Chance, ein Haus zu bauen, das den veränderten Platzbedarf berück- sichtigt, altersgerechtes Wohnen ermöglicht und Raum für künftige familiäre Veränderungen schafft. Gleichzeitig behalten die Bauherren Einfluss auf die bauliche Umgebung – etwa in Bezug auf Maßstäblichkeit, Durchgrünung und Nutzung. So bleibt die vertraute Nachbarschaft erhalten, während die Nutzungsmöglichkeiten vielfältiger werden.
Die Bauherren wünschten sich ein Haus, das ihrer aktuellen Lebenssituation entspricht, aber auch flexibel auf kommende Veränderungen reagiert. Es sollte Platz bieten, um Familienmitglieder, Freunde oder Pflegekräfte auf- zunehmen, zugleich aber auch die Möglichkeit schaffen, Wohnungen separat zu vermieten ……… kurz: ein Haus “für alle Fälle”.
Neben diesen Anforderungen legten die Bauherren Wert auf hohe technische Standards. Das Gebäude sollte barrierefrei sein und künftigen Anforderungen an Energieeffizienz und Autarkie genügen. Ressourcenschonende und wiederverwendbare Materialien sollten bevorzugt werden.
Phase 1 _ Projekt A
Auf drei Ebenen entstehen unterschiedlich große Wohnbereiche mit vorgelagerten Freiflächen. Ein Treppenhaus an der Gebäudeecke ermöglicht separate Zugänge, die sich bei Bedarf zu größeren Wohneinheiten verbinden lassen. So ergeben sich verschiedene für die Bauherren vorstellbare Nutzungsszenarien:
- Eine Großfamilie oder Wohngemeinschaft nutzt alle Etagen.
- Eine Familie bewohnt das Erdgeschoss, während die oberen Etagen eine weitere Familie nutzen.
- Im Erdgeschoss lebt eine Familie, darüber eine mittelgroße Wohnung für ein bis zwei Personen und im Dachgeschoss eine kleine Wohnung.
- Ein älteres Ehepaar wohnt im Erdgeschoss, darüber eine Wohnung für ein Familienmitglied (z. B. Eltern oder Schwiegereltern). Die oberste Etage dient als Bleibe für ausgezogene Familienmitglieder, Gäste oder Pflegepersonal.
- Das Haus kombiniert Wohnen und Arbeiten: etwa mit Arbeitsräumen im Obergeschoss und Wohnbereichen darunter – oder umgekehrt, mit einem Atelier im Erdgeschoss und Wohnräumen darüber.
Das Gebäude wurde als Hybridkonstruktion geplant. Beton oder Stein kommen dort zum Einsatz, wo Masse und Gewicht nötig sind (z. B. Trennwände und Decken). Holz wird dort verwendet, wo Leichtigkeit sinnvoll ist (z. B. Fassaden und Innenwände). Ein Betonskelett aus Stützen, Wandscheiben und Decken zieht sich über einem massi- ven Kellergeschoss und um einen Betonkern (Treppenhaus) durch das Haus.
Im Inneren wechseln sich Stahlbetonstützen und Holzwände ab. Die Holzwände füllen das Skelett aus und tren- nen die Räume. Sie sind so konstruiert, dass sie als Basis für Einbaumöbel dienen können. In einigen Bereichen sollten diese Möbel direkt schon mitgeplant und ausgeführt, in anderen nur vorbereitet werden.
Zwischenspiel
Unsichere Programmanforderungen, parallel laufende widersprüchliche Verhandlungen mit Banken und die allge- meine schwierige wirtschaftliche Lage (Pandemie, Ukrainekrieg) mit dynamischen Kostenrisiken erforderten wie- derholte Überarbeitungen. Schließlich entschieden Bauherren und Banken, daß besser nur zwei Wohneinheiten realisiert werden sollten. Gleichzeitig kamen dem Bauherrn Zweifel an der Gebäudeform, so dass wir die geneh- migungsreifen Pläne komplett überarbeiteten.
Phase 2 _ Projekt B
„Haus auf Haus“ – so lässt sich das neue Konzept zusammenfassen. Es vereint die Vorteile von Ein- und Mehrpar- teienhäusern und ermöglicht gemeinschaftliches Wohnen bei gleichzeitiger Unabhängigkeit. Die beiden Wohnun- gen folgen jeweils einer eigenen Typologie.
Das breite Sockelgeschoss erinnert an einen eingeschossigen Bungalow. Fließende, ebenerdige Räume öffnen sich zum Garten. Das Dach des Sockelgeschosses dient als Terrasse für eine zweigeschossige Maisonettewohnung. Die- se Wohnung öffnet sich im Obergeschoss zur großzügigen Terrasse, der zentrale Wohn- und Essbereich erstreckt sich über zwei Geschosse bis unters Dach.
Die Nutzfläche blieb gegenüber der ursprünglichen Lösung nahezu gleich, die Nutzungsszenarien wurden jedoch reduziert:
- Die Wohnung im Erdgeschoss sollte zunächst auf die Eigentümer zugeschnitten sein, aber auch als eigenständi- ge Familienwohnung vermietbar bleiben.
- Die Wohnung im Obergeschoss sollte als altersgerechte Einheit für ein bis zwei Personen dienen, mit der Mög- lichkeit, Gäste oder Pflegepersonal aufzunehmen.
- Alternativ könnte sie als Familienwohnung, großzügiges Loft oder Atelier vermietet werden.
- Beide Wohnungen lassen sich bei Bedarf kombinieren und bieten dann auf drei Ebenen Platz für eine größere Lebensgemeinschaft.
Die Hybridkonstruktion aus dem ersten Konzept wurde übernommen. Das Satteldach wurde als stützenfreies Sparrendach aus sichtbaren Hölzern konstruiert. Ein Großteil der individuellen Inneneinrichtungen wurde bis zur Ausführungsreife geplant.
Schlussakkord
Für das zweite Projekt wurde eine Baugenehmigung erteilt. Die Ausführungs- und Detailplanung einschließlich Statik, Haustechnik und Bauphysik war baureif. 80 % der Arbeiten waren ausgeschrieben, wurden allerdings mit Preis- und Terminvorbehalten wegen unsicherer Lieferketten angeboten. Firmen standen bereit, Möglichkeiten zur Kostenreduktion, etwa durch schrittweise Realisierung, wurden ausführlich geprüft. Doch kurz vor Beginn der Rohbauarbeiten erschienen dem Bauherrn die Kostenrisiken zu hoch – das Projekt wurde in der Hoffnung auf später sinkende Baupreise gestoppt. Diese erfüllte sich nicht: Seitdem sind die Baukosten laut Baukostenindex um weitere 20 % gestiegen, die Bearbeitung wurde nicht wieder aufgenommen.














